Das Internet und der Liebeskummer

Was haben wir eigentlich früher gemacht?

Also in der Zeit vor Facebook und Twitter. Was haben wir gemacht, wenn wir unglücklich verliebt waren?
Wenn der Auserkorene sich einfach nicht mehr meldete. Wenn klar war, dass wir uns wieder mal verrannt haben. Wenn wir wieder mal der irrigen Ansicht waren, dass es doch einen einzigen Menschen auf der Welt geben könnte, dem wir auch so wichtig wären wie er uns. Und dann schnell eines besseren belehrt wurden.

Was wir auf jeden Fall nicht gemacht haben: Ihm auf Twitter folgen und mit ihm auf Facebook befreundet sein.
Also haben wir nicht ständig seine Tweets und Facebookstatus und -kommentare gesehen. Und wenn er halt nicht mehr auf SMS geantwortet hat, dann war der Kontakt einfach vorbei. Und wir kamen nicht ständig in die Versuchung, ein Foto bei Facebook zu kommentieren. Oder auf irgendeinen sinnlosen Tweet einzugehen.

Wenn das Herz gebrochen war, war es gebrochen und man konnte irgendwie weitermachen.

Weil man es irgendwie vergessen konnte.

Und heute?
Da gehört verdammt viel Willensstärke dazu, Tweets nicht mehr zu lesen. Auch nicht mal kurz auf die Seite zu gucken, wenn man ihm nicht mehr folgt. Und bei Facebook entfreunden hat ja auch sowas entgültiges. Und außerdem ist es so ein deutliches Zeichen, dass man verletzt ist. Und dass der andere das so mitbekommt will man ja irgendwie auch nicht.
Also belässt man es dabei. Und wird ständig wieder daran erinnnert. Und versucht, nicht bei jedem Tweet einen Stich ins Herz zu bekommen. Und nicht zu laut zu weinen, wenn er dir einfach gar nicht mehr antwortet, obwohl er sonst so viel schreibt.

Schöne neue Welt.